Gemeinsam gegen Kürzungen: DPtV ruft zur Demo am 8. Juni in Berlin auf
Doppelter Druck auf psychotherapeutische Praxen: 4,5 Prozent Honorarkürzung und drohende Wiedereinbudgetierung – der Verband mobilisiert
Die Deutsche PsychotherapeutenVereinigung (DPtV) ruft alle Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten sowie Unterstützerinnen zur Teilnahme an einer Demonstration am 8. Juni 2026 in Berlin auf. Hintergrund ist die Befassung des Petitionsausschusses des Deutschen Bundestags mit der Petition gegen Kürzungen in der psychotherapeutischen Versorgung – einer Petition, die bis dato über 125.000 Unterzeichnerinnen und Unterzeichner gewonnen hat.
„Die Versorgung mit Psychotherapie ist massiv bedroht – von mehreren Seiten. Die Bundestagspetition gegen Kürzungen ist mit bislang 125.000 Unterzeichnerinnen ein großer Erfolg. Am 8. Juni befasst sich der Petitionsausschuss mit der Petition. Wir werden uns dazu vor dem Bundestag versammeln." – Dr. Christina Jochim und Dr. Enno Maaß, Bundesvorsitzende der DPtV
Druck aus zwei Richtungen gleichzeitig
Die DPtV-Bundesvorsitzenden beschreiben eine Lage, die sich aus zwei parallelen Entwicklungen zusammensetzt. Erstens: Die Vergütung der Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten wurde im laufenden Betriebsjahr bereits um 4,5 Prozent abgewertet – eine Kürzung, die mitten in einem Inflationsumfeld mit steigenden Praxiskosten trifft. Zweitens: Der Entwurf zum GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz enthält eine Regelung, die die ambulante Psychotherapie von ihrer bisherigen extrabudgetären Finanzierung in die morbiditätsbedingte Gesamtvergütung zurückführen würde.
Extrabudgetäre Finanzierung bedeutet: Psychotherapeutische Leistungen wurden bisher außerhalb des gedeckelten Budgets der niedergelassenen Kassenärzte vergütet. Das ermöglichte Mengensteigerungen – also den Aufbau neuer Versorgungskapazitäten. Mit der geplanten Rückführung in die Gesamtvergütung würde dieser Mechanismus entfallen. Die DPtV schätzt, dass dadurch die ambulante psychotherapeutische Versorgungskapazität um mehr als 25 Prozent einbrechen könnte.
Kosten werden verschoben – nicht gespart
Die Bundesvorsitzenden betonen, dass Einsparungen bei der ambulanten Psychotherapie keine echten Einsparungen sind: Unbehandelte psychische Erkrankungen führen zu Chronifizierung, stationären Psychiatrieaufenthalten, Langzeitarbeitsunfähigkeit und Frühverrentung – allesamt Kostenträger, die das System weit teurer belasten als präventive ambulante Behandlung.
„Das Einkürzen und die Unterfinanzierung der ambulanten Psychotherapie kostet an anderer Stelle Milliarden! Unbehandelte psychische Erkrankungen führen zu Chronifizierung, teuren psychiatrischen Krankenhausaufenthalten, Arbeitsausfall, Frühverrentung. Die Kosten werden verschoben und in der Höhe ansteigen." – Jochim & Maaß, DPtV
- Stopp der Wiedereinbudgetierung psychotherapeutischer Leistungen in die morbiditätsbedingte Gesamtvergütung
- Rücknahme der 4,5-prozentigen Honorarkürzung im laufenden Jahr
- Erhalt der extrabudgetären Finanzierung als Grundlage für bedarfsgerechten Versorgungsausbau
- Politische Anerkennung: Kürzungen bei ambulanter Psychotherapie sind keine Einsparung, sondern Kostenverlagerung